Bolenge-Echo Nr. 9

Nachrichten aus unserem Partnerkirchenkreis Bolenge/Kongo

August 2008

 

Die Partnerschaft ist in Fahrt gekommen – so lässt sich die erfreuliche Entwicklung der letzten Monate in Dortmund ebenso wie in Bolenge beschreiben. Deswegen zunächst:

 

Gute Nachrichten aus Dortmund-Süd

 

Spenden für Bolenge spürbar gestiegen

 

Die Berichte, die die Reisegruppe seit April diesen Jahres bei verschiedenen Gelegenheiten geben konnte, haben entscheidend dazu beigetragen, dass viele Leute in Dortmund aufmerksam geworden sind auf die schwierigen Lebensbedingungen der Menschen im Kongo und gerne zu finanziellen Hilfen bereit sind.

So haben Presbyterien Sonderzuweisungen beschlossen, die kreiskirchliche Kollekte im April hat ein sehr gutes Ergebnis gebracht, Gemeindefeste werden zu Gunsten von Bolenge veranstaltet, Kollekten von Trauungen oder Taufen sind Bolenge zugute gekommen. Spenden anstelle von Geschenken anlässlich von runden Geburtstagen sind eingegangen, es gibt sogar Daueraufträge für Bolenge!

Die gewachsene Spendenbereitschaft hängt sicherlich in erster Linie damit zusammen, dass die Besuchergruppe nicht nur über die extreme Armut in Bolenge, sondern auch über den vertrauenswürdigen Umgang mit unseren finanziellen Hilfen berichten konnte. Insbesondere die kleinen Pharmacien, die direkte medizinische Hilfe in die ganz entlegenen Dörfer bringen, werden bereitwillig unterstützt. Diese Art von Hilfe ist offenbar für viele direkt nachvollziehbar.

Auch die Bitten um besondere Spenden – Fahrräder bzw. Boote, Bibeln und Gesangbücher – haben ein sehr erfreuliches Echo gehabt. Auch auf diesem Wege sei allen Spenderinnen und Spendern noch einmal herzlich gedankt.

 

Synode beschließt verstärktes Engagement für Bolenge

 

Dass die Partnerschaft richtig in Fahrt gekommen ist, zeigte sich auch auf der Sommer-Kreissynode, auf der Kirchenpräsident Bonanga vor seiner Abreise zur VEM- Vollversammlung auf Borkum ein eindrückliches Grußwort sagen konnte. Die Synode nahm sich dann auch Zeit für einen ausführlichen Bericht über den Besuch in Bolenge einschließlich einer Dia-Show. Im Mittelpunkt des Berichts stand das wachsende Vertrauen in unsere Partner und der Gewinn, den wir durch die Partnerschaft haben, nämlich Menschen zu begegnen, die ganz unmittelbar aus der Freude am Evangelium leben und mit unerschütterlichem Glauben ihr Leben unter schwierigsten Bedingungen meistern.

 

Folgender Beschluss zur Partnerschaft mit Bolenge wurde gefasst:

 

Die Synode nimmt mit großer Freude die positiven Eindrücke der Besucherdelegation über die gute Entwicklung der Partnerschaft zur Kenntnis.

 

Sie erkennt, dass die Partnerschaft als die konkrete Form der Gemeinschaft von Kirchen zu den wesentlichen und unverzichtbaren Merkmalen unseres Kirchenkreises gehört.

 

Sie setzt sich dafür ein, dass die Partnerschaft auf allen Ebenen verstärkt fortgesetzt wird – spirituell, finanziell und durch Besuche in beide Richtungen.

 

Sie ruft deshalb alle Gemeinden des Kirchenkreises  auf, sich an der Partnerschaft zu beteiligen und diese ideell und finanziell zu unterstützen.

 

 

Gute Nachrichten aus Bolenge

 

Hilfe kommt bis in die letzte Ecke des Kirchenkreises

 

Bei unserm Besuch in Bolenge haben wir erlebt, wie sehr sich die Verantwortlichen dort, besonders Superintendent Martin Ngoy, seine Frau Bofy Ngoy  und der Partnerschaftskreis darum bemühen, dass  auch die entfernteste Gemeinde im Kirchenkreis sichtbar an der Partnerschaft teilhat. Das Ziel ist: Alle Gemeinden sollen Hilfen erfahren, damit, so Ngoy  „das Werk des Herrn durch die Partnerschaft befördert wird“

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Diese Strategie, die Partnerschaft bis in die letzte Gemeinde erlebbar zu machen, erfordert angesichts fehlender Infrastruktur große Anstrengungen, Der Kirchenkreis Bolenge auf dem Äquator ist sehr ausgedehnt. Man ist tagelang auf schlechten Straßen oder kaum passierbaren Wegen unterwegs. Die Gemeinden am Ufer des riesigen Kongo-  bzw. Ubangi-Flusses sind nur auf dem Wasserwege erreichbar. Um Lilanga, die entfernteste Gemeinde am Ubangi zu besuchen, ist man mehrere Tage mit der Piroge (Einbaumboot) unterwegs. Sehr dankbar ist daher Sup. Ngoy für den von uns finanzierten Außenbordmotor. Er ist in den letzten Monaten nicht nur für „kirchliche“ Zwecke benutzt worden, sondern auch, um das Impfprogramm der Regierung durchzuführen. Die Regionen müssen nämlich selber für den Transport sorgen.

 

Mit großem Einsatz sind verschiedene bereits begonnene Projekte und Hilfen in den letzten Monaten fortgeführt worden. So konnten dank unserer Finanzierung inzwischen in den zehn entferntesten Landgemeinden Pharmacien eingerichtet werden. Bedingung ist, dass die Gemeinden als Eigenleistung einen Raum oder eine Hütte zur Verfügung stellen und dass Krankenschwestern oder –pfleger vor Ort sind, die die  Medikamente sorgfältig verwalten und gegen eine kleine Bezahlung weitergeben. Begonnen haben sie mit Ikenge Ifumi, einer Landgemeinde, die 180 km von Bolenge entfernt ist. Mit Motorrädern sind die Kartons mit Medikamenten dorthin transportiert und mit großer Freude und Dankbarkeit entgegen genommen worden.

Für die zehn Pharmacien konnten wir  6.000 US Dollar zur Verfügung stellen. Es gibt weiteren Bedarf in den ebenfalls sehr entlegenen Flussgemeinden

 

Auch  die zehn  Pirogen, die dringend für die Frauen in den Flussgemeinden erbeten waren, konnten inzwischen angeschafft werden. Sie werden in Bolenge zur Abholung  bereit gehalten – Mitte August schreibt Sup. Ngoy dazu: Im Moment ist sehr niedriges Wasser, so dass die Frauen vom Ubangi die Boote nicht holen  können. Hierfür wurden 1 000 US Dollar bereitgestellt.

 

Da das Mikrokredit- Programm ein Erfolgsmodell ist und auf eine Fluss- und vier weitere Landgemeinden ausgeweitet werden soll, haben wir dafür 2.000  US Dollar zur Verfügung gestellt. Die Vorbereitung und Sensibilisierung hierfür liegt in den Händen von Frau Bofy Ngoy, die sich trotz vieler Schwierigkeiten sehr für das Programm einsetzt.  Umgang mit Geld, sparen und vorausplanen ist für viele Menschen im Kongo ungewohnt. Bedingung in diesem Programm ist: Wer einen Kredit haben will, muss vorher selbst etwas Geld angespart haben. So wird die „Kreditwürdigkeit“ getestet.

 

Auch konnten inzwischen weitere 73 Bibeln gekauft und gezielt an Jugend, Witwen und Laien im Kirchenkreis weitergegeben werden. Diese Gruppierungen sind in allen Gemeinden gut organisiert und halten regelmäßig eigene Gottesdienste und Bibelstunden.  Von einer der Flussgemeinden hörten wir, dass sie dort wieder Bibelstunden einrichten wollen, sobald sie einige Bibeln haben. Ein Arzt, der gerade eine  Bibel bekommen hat, schreibt: Vielen Dank für dieses unendlich kostbare Geschenk. Die Bibel ist für mich eine Waffe im Kampf gegen Armut, Krankheit und menschliche Schuld.

Sup. Ngoy betont: Der Bedarf an Bibeln und Gesangbüchern ist immens bei uns. Er bittet ausdrücklich darum, dass dafür weitere Mittel zur Verfügung gestellt werden.

 

Außerdem wurden von einer Geburtstagsspende  für zehn Gemeinden Fahrräder für die jeweiligen Präsidenten der Jugendarbeit angeschafft. Damit können junge Leute z.B. Kirchenkreisveranstaltungen, AIDS-Fortbildungen etc. besuchen.

Auch hier, so Sup. Ngoy, gibt es noch Bedarf in weiteren Gemeinden. „Die Jugend ist unsere Zukunft, wir müssen ihr eine Möglichkeit geben, sich in der Kirche zu engagieren und sich fortzubilden“.

Zur Finanzierung all dieser Hilfen und Projekte  konnten wir Kirchenpräsident Bonanga  bei seinem Besuch im Juni insgesamt  9.600 US Dollar mitgeben.

 

 

Bolenge- Synode kämpft gegen die Faulheit

 

Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen ( 2. Thess.3,10) - das  war das Motto der diesjährigen Synode in Bolenge. Anschaulich beschreibt Sup. Ngoy  die Synode, zu der insgesamt 140 Delegierte – je fünf pro Gemeinde – eingeladen waren. Sie hat vom 19. bis 22. Juni im Ort Bolenge getagt.

Das biblische Motto sei zentrales Thema gewesen, schreibt Ngoy. Die Kirche hat sich ja zum Ziel gesetzt, finanziell unabhängig zu werden („auto-prise en charge“). So sollen auch in allen Gemeinden von Bolenge Christen und Pfarrer daran arbeiten, durch kleine gewinnbringende Projekte das Überleben der Gemeinde zu sichern. Wir können nicht alles aus Deutschland oder Amerika erwarten, sagt Sup. Ngoy  Die Botschaft der Synode heißt: Macht euch an die Arbeit, entwickelt Einkommen schaffende Projekte in jeder Gemeinde. Die ganze Zusammenkunft habe in einem Klima der Freude und des Friedens stattgefunden.

Untergebracht und verpflegt worden sind alle in bei den Pastoren und Lehrerfamilien in Bolenge. Aus ihren Gemeinden haben die Delegierten Naturalien mitgebracht – Fische und Hühner, Ziegen und Bananen, Reis, Maniok, Zucker etc. und die Pastorenfrauen haben gekocht…

 

 

Jüngerkirche will Kirchgeld einführen

 

Die Kirchenleitung, die vom 21. bis 26 Juli in Mbandaka getagt hat, setzt auf mehr Eigenbeteiligung der Kirchenmitglieder. Sie gab die Startschuss für das ehrgeizige Projekt  Effort local  ( Anstrengung vor Ort ) : die  Einführung von Kirchgeld, das nach der Finanzkraft der Regionen gestaffelt ist. Für Bolenge bedeutet das einen Jahresbeitrag von ca. 3 US Dollar pro Person. Die Idee ist schon alt, die Durchführung bisher an der Armut der Bevölkerung gescheitert. Nun scheint die Kirche entschlossen zu sein, diese Beträge einzufordern..

 

US-Kirchen wollen Kirchenkreispartnerschaften

 

Neun Superintendenten aus den USA haben gerade die Jüngerkirche bereist, um Kirchenkreispartnerschaften nach unserm Muster aufzubauen. Sie hatten uns sogar vorher nach unseren Erfahrungen gefragt. Sie kommen vor allem aus den Kirchen, die früher Missionare in die Region geschickt hatten. Dies ist ein erfreuliches Zeichen für das neu gewachsene Vertrauen, das man der Leitung der Jüngerkirche und der Kirchenkreise entgegenbringt und natürlich auch für die Hoffnung auf Frieden und politische Stabilität in der Region.

 

Segenswünsche am Schluss

 

Jede mail aus Bolenge schließt mit der Segenswünschen. So schreibt Sup. Ngoy: „Wir wünschen euch, dass ihr lange lebt und die Kraft habt, Gott zu dienen bis ans Ende. Denn dazu sind wir ja berufen hier in unserm Leben. Wir beten für euch, dass Gott  euch beschütze und segne“.

 

Wer noch mehr wissen will

 

Aktuelles aus unserm Partnerkirchenkreis, Film und jede Menge Fotos sowie  lebendige Berichte und nicht zuletzt eine Andacht über Menschen in Bolenge – das und noch viel mehr gibt es beim Gemeindefest in Hörde am Samstag, 4.Oktober.

Näheres in UK und der Tagespresse.

Und wer sich über den Kongo informieren will, dem sei die web-site

www.kongo-kinshasa empfohlen. Sie wird (fast) täglich aktualisiert.

 

Dorothea Philipps

21.08.08

 

 

www.kirchedosued.de