Bolenge-Echo Nr.7
Oktober 2007
Aktuelle Nachrichten aus Begegnungen, Berichten und Briefen
Kirchenpräsident Eliki Bonanga war im Anschluss an die VEM-Ratssitzung Anfang Oktober zu einigen Begegnungen in unserm Kirchenkreis.
Die allgemeine Situation in der Äquatorregion im Kongo und damit auch in unserm Partnerkirchenkreis Bolenge beschreibt er so:
- Es herrscht Ruhe dort – im Gegensatz zum Osten des Kongo.
- Die Bevölkerung hat wenig Informationen über die allgemeine Lage, da kaum jemand ein Radio hat
- Kabila hat bisher seine Wahlversprechen nicht eingehalten ( Verbesserung der Infrastruktur, des Gesundheits- und Schulwesens etc.)
- Die Ausbeutung der Bodenschätze und der Tropenhölzer geht ungehindert weiter; die Konzessionen werden durch die Politiker verschachert. Auch die UN-Truppen sind daran beteiligt.
- Zur Zeit sind die Schulen noch geschlossen, weil die Lehrer für höhere Gehälter streiken. Bis August 2007 sind Gehälter gezahlt worden.
Die Situation in der Jüngerkirche hat sich positiv entwickelt:
- Innerhalb der Kirche herrscht Einigkeit, den begonnenen Reformprozess weiter zu führen. Zu den Zielen dieses Reformprozesses gehört die Selbstverantwortung für die Finanzierung der kirchlichen Arbeit. So werden Schritt für Schritt eigene Finanzierungsquellen erschlossen z.B. durch Vermietung von Häusern, für die bisher keine Mieten gefordert wurden. Das Personal im Generalsekretariat ist drastisch verkleinert worden, ein Pensionsfonds ist eingerichtet, so dass auch längst überfällige Pensionierungen jetzt durchgesetzt werden können.
- Bonanga ist ohne Gegenkandidat für 4 Jahre als Kirchenpräsident wiedergewählt worden, ebenso sein Stellvertreter Mputu.
- Er hat als erster Präsident alle 23 Kirchenkreise besucht - mit Piroge
und Außenbordmotor, Motorrad und Fahrrad ist er über 1 300 km unterwegs
gewesen. Er sieht seine Aufgabe darin, die Kirche zusammen zu halten,
- Die Jüngerkirche steht einerseits unter dem Konkurrenzdruck charismatischer
Gruppierungen, die auch in der Äquatorregion aktiv sind, und z.T. mit betrügerischen Mitteln Menschen und Gelder für sich gewinnen wollen, andererseits kann sie expandieren und z.B. in Kisangani eine neue Gemeinde gründen.
Projekte und Programme
Die von uns in Sonderaktion gespendeten Fahrräder bzw. Pirogen sind eine große Erleichterung der Arbeit der Pastoren – das bestätigt Kirchenpräsident Bonanga ausdrücklich. Wenn es möglich wäre, auch für die Frauenarbeit in den Gemeinden jeweils ein Fahrrad zur Verfügung zu stellen, wäre das ebenfalls eine große Hilfe.
Die 2. Phase des auch von uns mitfinanzierten AIDS-Programms hat begonnen mit der Ausbildung von Peer-educators. Diese Phase dient vor allem der Aufklärung und Prophylaxe. AIDS-Tests und Behandlung der Infizierten sind allerdings in der Äquatorregion nur möglich, wenn sie aus dem Ausland finanziert werden.
Aus zweckgebundenen Spenden konnten wir dem Koordinator der AIDS-Arbeit, Pastor Alain Imbolo, 400 USD für einen Laptop für seine Arbeit zur Verfügung stellen.
Unser Mikrocredit- Projekt ist am Start – inzwischen haben in allen Gemeinden auf dem Land Schulungsveranstaltungen durch die Verantwortliche Frau Bofy Ngoy stattgefunden. Überall sind Sparkomités eingerichtet. Auch von der Kirchenleitung wird dieses Projekt intensiv wahrgenommen und durch den Finanzberater Lubaku und ein Komité begleitet. Diese erste Phase ist mit Eigenmitteln von Bolenge finanziert worden.
Inzwischen haben wir die vom Partnerschaftskreis Bolenge erbetenen 2 000 USD überwiesen für Kleinkredite für 152 eingetragene Frauen in verschiedenen Gemeinden, die die o.g.Schulung durchlaufen haben. Mit ihrem Kleinkredit werden die Frauen einen kleinen Handel, Aufzucht von Hühnern o.ä. beginnen und das Geld in festgelegten Raten sehr zeitnah zurückzahlen.
Nachrichten und Wünsche aus Bolenge
- Die Grundschule POLELE in Bolenge ist mit Hilfe einer amerikanischen NGO repariert worden.
- Das Belgische Rote Kreuz hat in den Grundschulen POLELE und MOTUMBA in Bolenge Toiletten gebaut.
- OXFAM hat ein Schulgebäude in Ikengo, einer Gemeinde bei Bolenge, errichtet.
- Eine Telefongesellschaft hat eine Antenne in Bolenge errichtet und damit einigen jungen Leuten Arbeit gegeben.
- Die Kühe – unser Projekt 2004/5 - gedeihen weiter gut und vermehren sich. Lediglich in Kalamba ist eine Kuh gestorben. Aber es konnte mit eigenem Geld eine neue Kuh gekauft werden.
- Die nach der Explosion des Militärdepots in Mbandaka verstreuten Bomben sind von einer internationalen Anti-Minen-Truppe entschärft worden.
- Es werden weiter Bibeln und Gesangbücher sowie Brillen erbeten.
- Um uns mit Fotos über den Stand unserer Projekte informieren zu können, wünscht sich Sup. Ngoy Superintendent Ngoy einen Fotoapparat. Er wurde Kirchenpräsident Bonanga für ihn mitgegeben.
- Noch einmal ist der seit langem geäußerte Wunsch nach einem Außenbordmotor von 8 PS (Kosten in Kinshasa: ca. 2 000 USD) für die Besuche des Superintendenten bei den Gemeinden jenseits des Kongoflusse wiederholt worden. Kirchenpräsident Bonanga hat unsere Bedenken gehört und erläutert, dass inzwischen das Bewusstsein für den Wert einer solchen Investition, für ihre gute Wartung und Finanzierung der laufenden Unkosten gestiegen sei. Darüber wache auch die Kirchenleitung. Mit einem Außenbordmotor könnten schließlich gelegentlich auch Medikamente zu den Inseln gebracht oder Kranke transportiert werden.
Der Partnerschaftskreis wird diesen Wunsch weiter beraten.
Zum Schluss: Partnerschaftsreise 2008
Eine offizielle Delegation aus unserem Kirchenkreis wird in den Osterferien 2008 Bolenge besuchen – so Gott will und die Sicherheitslage in der Äquatorregion so stabil und kalkulierbar bleibt wie zur Zeit. Kirchenpräsident Bonanga hat noch einmal bestätigt, wie wichtig solche Begegnungen sind– und wie sich bereits jetzt die Menschen in Bolenge darauf freuen und vorbereiten.
Mit dieser Reise verbinden sich für uns die Hoffnungen, dass so die Partnerschaft noch einmal ganz neue Impulse in unsere Gemeinden bringen wird.
Dorothea Philipps
Vorsitzende Partnerschaftskreis Bolenge