Bolenge –Echo Nr. 6
Nachrichten aus unserem Partnerkirchenkreis Bolenge /Kongo
August 2007
Die guten Nachrichten zuerst:
o Fahrräder angekommen
Bereits im Mai sind 13 Fahrräder und 6 Pirogen in Bolenge angekommen, gespendet von Gemeinden und Gruppen im Kirchenkreis Dortmund-Süd. Dazu hatte der Partnerschaftskreis aufgerufen, nachdem wir im Herbst von unseren Besuchern aus Bolenge im Kongo gehört hatten, dass die Menschen dort alle Wege zu Fuß gehen müssen, weil es bei ihnen keinerlei Transportmöglichkeiten gibt. Selbst Schwerkranke müssen auf Tragen oft 60 – 80 km weit auf kleinen Pfaden durch den Urwald getragen werden. Da ist ein Fahrrad schon eine lebenswichtige Hilfe. Entsprechend groß war die Freude, als die Pfarrer vor dem Generalsekretariat in Mbandaka die Fahrräder entgegen nehmen und mit ihnen in ihre Gemeinden fahren konnten, denn dank der Spenden aus Dortmund-Süd konnte Superintendent Martin Ngoy nun jeder Landgemeinde in seinem Kirchenkreis auf dem Äquator ein stabiles neues Fahrrad (Kosten ca. 100 USD) und jeder Flussgemeinde ein Boot zur Verfügung stellen – ein Zeichen der lebendigen Partnerschaft zwischen Bolenge im Kongo und Dortmund-Süd. Superintendent Ngoy dankt allen Spendern herzlich und dokumentiert die Aktion mit einigen Fotos.
o Medikamente verteilt
Anfang Juli erhielten wir die Bestätigung, dass auch die Medikamente angekommen sind, die wir aus den Rücklagen des Bolenge-Fonds mit 3 000 $ finanziert hatten. Wir haben damit auf eine dringende Bitte von Kirchenpräsident Bonanga reagiert, den stark vom Krieg betroffenen Flussgemeinden des Kirchenkreises Bolenge mit Basismedikamenten zu helfen
Dazu schreibt Superintendent Ngoy, der mit sechs weiteren Begleitern mit einer Piroge über den Kongofluß gefahren ist und die Medikamente zu den Gemeinden gebracht hat:
Da die Menschen in den Gemeinden am Fluss alle sehr unter dem Mangel an Medikamenten leiden, hat unser Partnerschafts-Komité beschlossen, die Medikamente unter den betroffenen 5 Gemeinden aufzuteilen, auch um Neid und Misstrauen untereinander zu verhindern. Der Medizinkoordinator der Jüngerkirche hat uns dabei beraten… Die Medikamente werden in jeder Gemeinde von einem fünfköpfigen Team verwaltet – ein Krankenpfleger, ein Kassierer, der Vorsitzende des Presbyteriums, eine Frau und der jeweilige Pfarrer sollen dafür sorgen, dass die Medikamente gut verwaltet werden und auch Geld einbringen, um jeweils den Vorrat wieder aufstocken zu können.
Auch diese Aktion dokumentiert Superintendent Ngoy mit Fotos. Außerdem gibt er einen Finanzbericht, der auch die Kosten für die Fahrt auflistet, Zeichen seines großen Bemühens um Transparenz und Vertrauenswürdigkeit.
o Mikrocredit-Programm angelaufen
Dazu berichtet Frau Bofy Ngoy, Vorsitzende des Partnerschaftskreises und Ehefrau des Superintendenten, die von Januar bis März 2007eine vom Kirchenkreis Dortmund-Süd finanzierte Kurzausbildung in Sachen Mikrocredit in Kinshasa gemacht hat:
Nachdem ich bereist in Wendji Sekli, Bolenge und Inganda Aufklärungsarbeit für Mikrocredit gemacht habe, bin ich nun nach Iyonda gegangen, wo es viele Leprakranke gibt.
Die Schulung ging zum Thema:
- Das Scheitern von gewährten Krediten ohne vorheriges Sparen
- Die Bedeutung des Sparens und der neue Kurs
Die Gemeindeglieder möchten gerne anfangen, mit Mikrocrediten zu arbeiten, aber es gibt noch viele Schwierigkeiten, die nötigen Dokumente zu drucken:
- Mitgliedsausweise
- Sparkarten für Mitglieder
- Scheckheft
- Sparhefte
Außerdem muss ich noch andere Gemeinden im Kirchenkreis besuchen: Bolongo Mabaya (20 km), Bonsolet ( 30 km), Mpenzele ( 35 km) und BosomboAkonko (80 km). Ich hoffe, dass Gott mir die Kraft gibt, alle Brüder und Schwestern dort zu erreichen, trotz fehlender Transportmöglichkeiten…
Dieser kurze Bericht, dem ebenfalls ein Foto angefügt war, macht deutlich, auf welche Schwierigkeiten vor Ort so ein Programm trifft. Es braucht auch von unserer Seite langen Atem und Geduld.
Sadrack Djiokou, Referent bei der VEM für das Frankophone Afrika, der gerade aus der Region zurückgekehrt ist, berichtet von einem ausführlichen Gespräch mit Frau Ngoy über das Mikrocredit- Programm. Er hat den Eindruck, dass Frau Ngoy eine gute Ausbildung in Kinshasa erhalten hat und sehr engagiert arbeitet. Um das Programm zu realisieren, wird jetzt eine Anschubfinanzierung gebraucht. Er hat ihr vorgeschlagen, einen Projekt-Antrag auszuarbeiten und an uns zu schicken.
o AIDS-Arbeit fortgesetzt
Das kirchenweite AIDS-Programm, das von Pastor Alain IMBOLO verantwortet wird, tritt nun in die zweite Phase, nachdem seit 2005 in der ersten Phase 188 Kirchenmitarbeiter, hauptsächlich Pfarrer, in Schulungen in Mbandaka, Lotumbe, Boende und Mondombe für die AIDS-Prävention sensibilisiert worden sind.
Nun geht es darum, 80 Altersgruppen-Ansprechpartner (peer educators) auszubilden, die dann für ihre jeweilige Altersgruppe (Jugendliche, Frauen, Männer) in den Gemeinden Ansprechpartner sind, um so die Hemmschwelle für dieses schwierige Thema möglichst niedrig zu halten. Dadurch sollen vor allem unter Jugendlichen Neuinfektionen verhindert werden, aber auch bereits Erkrankten Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
Darüber hinaus werden die Gemeinden angeregt, Selbsthilfegruppen – Clubs Anti-SIDA – als ständige Einrichtungen zu bilden. In solchen Gruppen könnte durch Erfahrungsaustausch das Leid und die Trauer gemindert und vor allem das immer noch herrschende Schweigen über die Krankheit und ihre sozialen und wirtschaftlichen Folgen gebrochen werden.
Für diese Phase werden ca. 7.700 Euro gebraucht, und die deutschen Partnerkirchenkreise werden um Mitfinanzierung gebeten.
Und nun die schlechten Nachrichten:
o Munitionsdepot explodiert
Wieder einmal hat die Menschen in der Region Bolenge ein schweres Unglück getroffen: Ein Waffendepot der Armee ist mitten in der Provinzhauptstadt Mbandaka, ca. 10 km von Bolenge entfernt, explodiert.
Dazu schreibt Kirchenpräsident Bonanga:
Am Sonntag, 17.Juni 2007 hat das größte Waffendepot in der Provinz Equateur Feuer gefangen – die Ursache ist noch nicht geklärt. Aufgrund des Ausmasses dieses Unglücks hat der Präsident der Republik sofort Regierungsbeamte aus Kinshasa geschickt, unter ihnen den Staatsminister für Innere Sicherheit, den Verteidigungsminister und den Gesundheitsminister sowie andere, die die Schäden feststellen sollen.
Viele Häuser sind eingestürzt aufgrund der Detonation von Bomben, wie wir es bisher niemals erlebt haben. Die erste Bilanz sind drei Tote und viele Verletzte, von denen manche Gliedmaßen verloren haben. Mindestens 15 von ihnen sind von der Regierungskommission mit nach Kinshasa genommen worden, damit sie dort behandelt werden können. Viele Frauen haben unter großen Blutverlusten vorzeitig Kinder geboren.
Gott sei dank hat die Jüngerkirche keine Toten zu beklagen, aber unsere Gläubigen haben große Schäden an Häusern und durch Verletzungen erlitten. Aus Sicherheitsgründen dürfen wir noch nicht nah heran, so dass wir keine Fotos machen konnten.
Die Druckwellen der Bomben haben ein Kirchendach in 1 km Entfernung beschädigt und eine Bombe ist zwischen ein Pfarrhaus und Kapelle gefallen. Viele Menschen waren in alle Richtungen geflohen und kommen nun langsam zurück.
Soweit Kirchenpräsident Bonanga.
Sadrack Djiokou konnte bei seinem Besuch ein Gespräch mit dem Chef der Armee führen, der ihm berichtete, dass bei der Explosion nicht alle Bomben bei der explodiert seien. Sie sind in der Stadt verteilt und müssten dringend entschärft werden. Er habe schon den Provinz-Gouverneur und auch die Armeeleitung in Kinshasa angeschrieben – ohne Erfolg. Besondere Sorge mache ihm, dass unter den Bomben auch 3 uranhaltige seien ( offenbar panzerbrechende Geschosse), die ebenfalls aufgefunden, aber von niemandem angerührt würden.
o Besorgnis erregende Lage im Osten des Kongo
Die allgemeine Situation im Kongo hat sich seit dem letzten Bolenge-Echo von März 2007 nicht positiv entwickelt. Besonders der Osten mit den beiden Kivu-Provinzen ist eher unruhiger geworden. Auch kirchliche Stimmen sprechen dort von einer Situation wie vor dem Ausbruch des Krieges 1998. Denn immer noch operieren dort ruandische Milizen, überfallen die Bevölkerung, plündern, morden, vergewaltigen, entführen Männer, Frauen und Kinder. Die dort stationierten UNO-Truppen halten sich zurück, und die kongolesische Armee ist schlecht ausgerüstet, unterbezahlt, demotiviert. Der Kirchenpräsident der Baptistischen Kirche dort, bis 2005 VEM-Referent für das Frankophone Afrika, Dr. Kakule Molo schreibt von großen Leiden der kongolesischen Bevölkerung seiner Region. Dort befinden sich z. Zt. Über 300 000 Menschen auf der Flucht – ohne ausreichende Hilfe.
Die Kirche setzt stark auf einen Friedensdialog, auch mit Ruanda und beteiligt sich intensiv an Versöhnungsgesprächen.
Eine Bitte zum Schluss:
All diese Nachrichten zeigen, wie sehr die Menschen in unserem Partnerkirchenkreis auf unsere Aufmerksamkeit, unsere Anteilname, – kurz: unsere Gebete und auch auf unsere materielle Unterstützung angewiesen sind. Wir haben im Moment die Möglichkeit, sehr schnell Nachrichten austauschen zu können – die Globalisierung macht auch das möglich.
Lassen wir der Globalisierung der Märkte auch die „Globalisierung der Herzen“ (Desmond Tutu auf dem Kirchentag in Köln) folgen!
Dorothea Philipps
Vorsitzende Partnerschaftskreis Bolenge