Bolenge-Echo Nr. 5
März 2007
Nachrichten aus dem Partnerkirchenkreis Bolenge im Kongo
Was den Menschen Hoffnung gibt
Die Wahlen im Kongo sind im Wesentlichen friedlich verlaufen – Joseph Kabila ist mit knapper Mehrheit zum Präsidenten gewählt worden. Seit Februar ist die Regierung im Amt– ein Bündnis aus verschiedenen Parteien – unter Führung von Regierungschef Antoine Gizenga, einem alten Kampfgenossen des ersten demokratisch gewählten, nach wenigen Wochen ermordeten Präsidenten Patrice Lumumba. Gizenga gilt als aufrechter, glaubwürdiger Politiker und hat ein ehrgeiziges Regierungsprogramm aufgestellt. Ganz oben auf seiner Liste steht Armutsbekämpfung, Kampf gegen Korruption, Wiederaufbau des Landes und seiner Infrastruktur wie Gesundheitswesen, Schulen, Straßen, Sanierung der Wirtschaft, Revision der Verträge, mit denen die reichen Minen an ausländische Firmen verscherbelt wurden etc.
Paul Wolfowitz, der Präsident der Weltbank, der Anfang März den Kongo besucht hat, fand das Regierungsprogramm Gizengas ermutigend und hat dem Kongo ab 2008 für drei Jahre 1,5 Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt. Das Geld ist für Armutsbekämpfung und Infrastruktur bestimmt – ein Zeichen, dass die Weltbank an eine gute, friedliche Zukunft des Kongo glaubt.
Die Rückkehr zum Frieden war denn auch der größte Weihnachtswunsch für die Menschen im Kongo. So schreibt es Kirchenpräsident Eliki Bonanga in seinem Weihnachtsbrief Ende 2006. Zumindest für die Region Equateur, in der auch unser Partnerkirchenkreis Bolenge liegt, scheint sich dieser Wunsch zu erfüllen. Die Menschen können sich dort frei und ohne Angst bewegen, sie gehen wieder auf die Felder, zum Fischfang und auf die kleinen Märkte. Flüchtlinge, die lange versteckt in den Wäldern oder in angrenzenden Regionen gelebt haben, kehren zurück und beginnen, ihre zerstörten Hütten, Schulen, Kirchen und Gesundheitsstationen wieder aufzubauen.
Das berichten Präsident Bonanga und Superintendent Ngoy von einer Reise im Februar. Sie sind mit einer Piroge, einem Einbaum- Boot mit Außenbordmotor, auf die andere Seite des riesigen Kongoflusses gefahren. Dort sind die Gemeinden, die ebenfalls zum Kirchenkreis Bolenge gehören, besonders hart von Krieg und Plünderungen betroffen. Dazu kam gerade um die Weihnachtszeit wochenlanges Hochwasser. Die Menschen mußten ihre Hütten verlassen und sich auf kleine Hügel in den Wäldern in Sicherheit bringen.
In einer der Gemeinden, Bobangi, haben die Besucher auch „unsere“ Kühe angetroffen. Das erste Paar hat sich inzwischen verdoppelt. So konnte ein Stier an eine Nachbargemeinde gegeben und ein weiterer gegen eine Kuh getauscht werden. Nun hofft man, mit einem Stier und zwei Kühen schneller zu weiterem Nachwuchs zu kommen.
In der Gesamtkirche geht man mit großen Hoffnungen an den Wiederaufbau. Es gibt Pläne, das Krankenhaus Bolenge, das ja im Juni 2006 niedergebrannt war, wiederaufzubauen. Im Moment steht zur Versorgung der Kranken ein altes Gebäude zur Verfügung. Besonders stolz ist man auf ein Ultraschallgerät, das dem Krankenhaus gerade von der Regierung zur Verfügung gestellt worden ist.
Superintendent Ngoy berichtet, dass Bolenge vorhat, ein Gästehaus einzurichten. Er hat uns auch seine Jahresplanung für 2007 geschickt – seine Besuche, besondere Gottesdienste, Seminare etc. – auch ein Zeichen, dass man wieder Vertrauen in die Zukunft hat.
Ebenfalls erfreulich ist, dass wir seit dem Besuch im Oktober regelmäßig mit Nachrichten aus Bolenge versorgt werden. Zumindest bei der Leitung der Jüngerkirche in der Provinzhauptstadt Mbandaka scheint es meistens Strom für den Computer zu geben.
Besonders angerührt hat uns ein Anruf von Pastor Alain Imbolo am Morgen nach dem Orkan Kyrill. Er wollte wissen, ob niemand von uns zu Schaden gekommen sei. Sie hätten den ganzen Tag für uns gebetet.
Von Not und Mangel in allen Bereichen des Lebens
Hier will ich einige Nachrichten zusammenstellen, die zeigen, wie der Alltag unserer Schwestern und Brüder auch weiterhin von Not und Mangel in allen Lebensbereichen bestimmt sind
Was wir in den letzten Monaten getan haben, um Not zu lindern
Mikrocredit-Programm
Unsere Hilfe soll in erster Linie zur Selbständigkeit beitragen. Deswegen haben wir mit unseren Besuchern im Herbst 2006 abgesprochen, Frauen durch ein Mikrocredit-Programm ein selbständiges Einkommen zu ermöglichen. Die Ehefrau des Superintendenten, Frau Bofy Ngoy, macht im Augenblick eine Kurzausbildung in Kinshasa, um das Programm dann im Kirchenkreis Bolenge zu initiieren. Darauf sind wir schon sehr gespannt.
Dabei ist uns klar, dass ein solches Programm ein Eingriff in die Dorfstrukturen darstellt und sehr sensibel gehandhabt werden muss. Es sollen dadurch nicht Almosen gegeben, sondern menschliche Arbeit gefördert werden. Dass Mikrocredite in anderen Teilen der Welt, z.B. in Indien eine absolute Erfolgsgeschichte sind, ermutigt uns, in solch ein Programm zu investieren.
Für dieses Programm sind 3.000 €, unser jährlicher Projektbetrag für Bolenge, vorgesehen.
Sonderaktion: Ein Fahrrad für jede Gemeinde
Angesichts der Tatsache, dass jegliches Transportmittel in der Region fehlt, haben wir eine Sonderaktion Fahrräder für die Gemeinden beschlossen. Jede Gemeinde soll ein Fahrrad zur Verfügung haben. Damit können zur Not dann auch einmal Kranke transportiert werden. Das nötige Geld (Stückpreis 100 USD) ist durch besondere Spenden anlässlich des Besuches und danach aufgebracht worden. Die Mittel für die ersten zehn Fahrräder konnten den Besuchern bereits mitgegeben werden, das Geld für die 17 restlichen Fahrräder ist Anfang März 2007 aus Sonderspenden überwiesen worden.
Wenn in den nächsten Wochen und Monaten weitere Sonderspenden für Fahrräder eingehen, könnten wir außer den Pfarrern und Evangelisten auch die Frauenarbeit in den Gemeinden jeweils mit einem eigenen Fahrrad ausstatten für ihre Gruppen, die wie auch bei uns in jeder Gemeinde sehr stark sind.
Medikamentenhilfe
Als Ergebnis seiner oben erwähnten Reise zu den Gemeinden am Kongofluß hat uns Kirchenpräsident Bonanga dringend um Medikamentenhilfe für diese Gemeinden gebeten. Die dafür notwendigen Gelder ( 3 000 USD für 2 Gesundheitsstationen) können wir aus den Rücklagen des Bolenge-Fonds nehmen. Diese Rücklagen haben sich angesammelt während der Jahre 2000 - 2004, in denen wir aus verschiedenen Gründen kaum Geld in den Partnerkirchenkreis abfließen lassen konnten.
Entscheidend für die Medikamentenhilfe ist für uns, dass vor Ort kleine Gesundheitszentren vorhanden sind und die Zusicherung der Verantwortlichen, dass die Medikamente von den Gemeinden selber verwaltet und auch nicht kostenlos abgegeben werden sollen, sondern dann mit eigenen Mitteln auch wieder aufgestockt werden können.
AIDS-Hilfe
Der AIDS-Beauftragte der Kirche, Pastor Alain Imbolo, der uns im Herbst besucht hat, wird demnächst einen Aktionsplan vorstellen, der nach der ersten Phase der Aufklärung und Sensibilisierung nun Tests und mögliche Behandlung der Infizierten in den Mittelpunkt stellt. Auch dazu werden Mittel von unserer Seite erbeten werden.
Was es sonst noch zu tun gibt
Wir werden wie in jedem Jahr auch 2007 den Partnerschaftssonntag am 3.Juni –Sonntag nach Pfingsten (Trinitatis) feiern. Dazu werden den Gemeinden Informationen und Fürbittenvorschläge zugehen. Superintendent Ngoy ist um eine kurze Meditation zum Predigttext Joh.3, 1-8(9-15) gebeten.
Außerdem werden wir mit dem Partnerschaftsthema auf dem Gemeindefest Wellinghofen am Sonntag, 26.August 2007 vertreten sein.
Das Wichtigste am Schluss. In allen Mails aus Bolenge heißt es immer wieder: betet für uns, so wie wir für euch beten. Dass wir „informiert“ beten, dazu soll u.a. auch das Bolenge-Echo beitragen. Es wäre schön, wenn Bolenge in den sonntäglichen Fürbitten in unseren Gemeinden einen festen Platz hätte!
Last not least: es gibt im Internet täglich auf deutsch die neuesten Nachrichten aus dem Kongo unter www.kongo-kinshasa.de
Dorothea Philipps
Vorsitzende des Partnerschaftskreises Bolenge