Bolenge-Echo Nr. 3 März 2006

Grüße und Nachrichten aus unserem Partnerkirchenkreis Bolenge im Kongo

Liebe Brüder und Schwestern in Christus,

wir grüßen euch sehr und wollen unsere Partnerschaft festigen durch die guten Worte unseres Herrn Jesus Christus:

„Der Mensch soll nicht scheiden, was Gott zusammengefügt hat".

So beginnt der neueste Brief des Partnerschafts-Comités aus Bolenge.

Ein gutes Zeichen: die Partnerschaft lebt! Der regelmäßige Austausch von Nachrichten kommt wieder in Gang, nachdem unser wichtigster Partner, der Leiter der Entwicklungsabteilung der Jüngerkirche, Theodore Efolote, in die Unabhängige Wahlkommission berufen und deswegen nicht mehr vor Ort in Bolenge ist.

Neuer Superintendent in Bolenge

Der langjährige Bolenger Gemeindepfarrer Martin NGOY BONDJOKOTE löst Superintendent INKALE Y’ONYAA ab. INKALE hatte dieses Amt zehn Jahre inne und ist nun in hohem Alter in den Ruhestand gegangen.

Der neue Superintendent ist am 12. Februar 2006 in Bolenge in sein Amt eingeführt worden. An diesem Gottesdienst haben über 1 700 Menschen aus allen Gemeinden des Kirchenkreises teilgenommen. Auch wir haben einen Gruß aus Dortmund-Süd geschickt.

Der neue Superintendent, der Bolenge-Besuchern aus unserm Partnerschaftskreis seit langem bekannt ist und auch an der Konsultation in Kinshasa 2004 teilgenommen hat, hat uns sehr schnell geschrieben und uns versichert, dass er alles tun will, um die Partnerschaft zu stärken und auf einen guten Weg zu bringen.

Er hat am 18.2.06 seine erste Kirchenkreisversammlung abgehalten unter dem Motto:

Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu ( Lk. 16, 10).

Das soll auch für unsere partnerschaftlichen Beziehungen gelten, schreibt er.

Für uns verbindet sich mit der Neubesetzung auch die Hoffnung auf gute Verwaltung und Transparenz im Umgang mit zur Verfügung gestellten Geldern.

Auf der Versammlung sind drei junge Pastoren, die gerade ihre Ausbildung an der Theologischen Schule in Bolenge beendet haben, im Interieur (d.h. im Hinterland) in kleinen Urwaldgemeinden eingesetzt worden.

Außerdem ist Pastor Yoko, ehemaliger langjähriger Vorsitzender des Partnerschafts-Comités Bolenge, in seiner alten Gemeinde Bolongo Mabaya wiedereingesetzt worden. Übrigens hat er nach dem Tod seiner Frau vor fast zwei Jahren nun auch wieder geheiratet.

Der neue Superintendent wird in den nächsten Wochen versuchen, alle seine Gemeinden im Interieur und auf den Inseln zu besuchen – „trotz der großen Schwierigkeiten des Transports" schreibt er. Er hat natürlich kein Auto – das hat lediglich der Kirchenpräsident und sein Stellvertreter. Und Benzin ist ebenso teuer wie bei uns..

Übrigens wird in der Jüngerkirche der Superintendent „Pasteur Surveillant Principal" (PSP) = erster Aufseher genannt und nicht vom Kirchenkreis gewählt, sondern von der Leitung der Kirche eingesetzt. Für die Ruheständler ( auch für die Pfarrer) gibt es keine Pension, sondern eine Abfindung von einigen hundert Dollar, mit der sich die Familie ein Haus kaufen oder einen kleinen Handel gründen kann.

Am 19.März 2006 wird der alte Superintendent in Bolenge mit einen Festgottesdienst verabschiedet. Alle Gemeinden sind dazu eingeladen und aufgefordert, ihm ein Geschenk zu machen: Ziege, Schaf, Huhn, Korb mit Fischen, Palmöl etc. Übrigens hat unser Partnerschaftskreis ihm durch Ulrich Strunck, der bis Februar 2006 in Bolenge war, 50 $ überreichen lassen.

Nachhaltiges Projekt 2004: die Kühe

Als Projekt 2004 haben fünf Gemeinden im Interieur jeweils ein Paar Kühe bekommen: Bobangi, Ikengo, Bolongo Mabaya, Kalamba und Bombenga.

Die Kühe werden gut verwahrt. In Bobangi ist inzwischen ein männliches Kalb und in Ikengo ein weibliches geboren, in Kalamba und Bombenga werden bald Kälber erwartet.

Die Tiere sollen, wenn sich die Herde vergrößert hat, den Gemeinden auf die Dauer durch Verkauf die Möglichkeit geben, ein Einkommen zu erzielen. Dies war nach der Konsultation von Kinshasa ein erster Versuch, von Geschenken und Almosen weg zu kommen und ein nachhaltiges Projekt zu etablieren. Hier ist auf beiden Seiten noch langer Atem nötig!

Projekt 2005:„Mikrocredit"

Anders als zunächst von unsern Partnern in Bolenge erbeten und dann von uns beschlossen, ist das 2005 geschickte Geld ( 1 000 $ ) ist unter die Frauengruppen von zehn Gemeinden aufgeteilt worden, jeweils 100 $ pro Gemeinde.

Mit diesem Geld haben die Frauen folgende Aktivitäten gestartet:

Kleinhandel: Verkauf von Brot oder Gebäck

Einige Frauen haben in ein Reis – oder Maisfeld investiert.

Die Aktivitäten sind von Gemeinde zu Gemeinde verschieden.

Dazu meinen wir:

So sehr wir es begrüßen, wenn Frauen unterstützt werden, die wie überall in Afrika, so auch in Bolenge die Hauptlast des Überlebens der Familien tragen, so bezweifeln wir doch, dass ohne Ausbildung ein echtes „Mikrocredit-Programm" in den Urwalddörfern aufgebaut werden kann. So wird vermutlich dieses Geld zur Beschaffung des Lebensnotwendigsten benutzt worden sein. Wir bieten deswegen dem Partnerkirchenkreis Bolenge an, zur Etablierung eines nachhaltigen Mikrocrecit-Programms in den Dörfern eine Frau aus der Region zu einer entsprechenden Ausbildung zu schicken und dies zu finanzieren.

Ein Dauerthema: Kampf gegen HIV/AIDS

Das Thema bleibt weiter auf der Tagesordnung des Kirchenkreises. Die erste Aufgabe sehen die Verantwortlichen in Bewusstseinsbildung und Verhaltensänderung besonders der jungen Leute. Dazu sind Seminare etc nötig. Wegen der weiten Entfernungen und der hohen Benzinkosten werden große Beträge gebraucht, um solche Aktivitäten in den Gemeinden im Interieur zu veranstalten.

Der AIDS-Beauftragte der Jüngerkirche, Pastor Alain IMBOLO, wird in den nächsten Wochen einen Teil des Geldes, das wir im vergangenen Jahr für diesen Zweck geschickt haben, bekommen, um damit seine Arbeit im Kirchenkreis finanzieren zu können.

Bemerkenswert: Neue Kassenführerin des Partnerschafts-Comités

Frau Pastorin BAFALANGA ist zur neuen Kassenführerin bestimmt worden. Sie ist für die Diakonie in der Jüngerkirche verantwortlich und leitet Projekte der Welthungerhilfe der UNO – z.B. bearbeitet sie Felder zusammen mit Witwen und Flüchtlingsfrauen. Der bisherige Kassenführer war Pastor NGOY. Dass er als Superintendent nicht mehr gleichzeitig der Verwalter des Geldes ist – ein Fortschritt in Richtung Transparenz!

Geschenke

Das Partnerschafts-Comité hat dem Ehepaar Strunck, das von Dezember bis Februar in Mbandaka und Bolenge war, ein Geschenk für den Kirchenkreis Dortmund-Süd mitgegeben, ein Kreuz, das von zwei Händen gehalten wird: eine schwarze Hand ( Bolenge) und eine weiße Hand ( Dortmund), vereint am Kreuz, sollen die Partnerschaft festigen.

Dieses Geschenk soll nach dem Wunsch des Partnerschafts-Comité im Büro von Superintendent Wortmann aufgestellt werden.

Alltagsleben in Bolenge

Dazu schreibt der neue Superintendent: „Das Leben allgemein ist ruhig; die Frauen gehen ohne Gefährdung ( z.B. durch nicht bezahlte Soldaten, die sich durch Überfalle und Plünderungen ernähren) auf die Felder. Wir gehen ohne besondere Unruhe unseren täglichen Beschäftigungen nach.

Die Lehrer unserer Schulen haben gestreikt; seit drei Wochen hat der Unterricht wieder begonnen, d.h. der Streik ist aufgehoben.

Im Augenblick sind die Krankenpfleger in allen Gesundheitseinrichtungen im Streik. Nur die Ärzte arbeiten, aber es ist schwierig, denn es gibt nicht genug Ärzte, die sich um all die Kranken kümmern können, die ins Krankenhaus kommen. Außerdem gibt es das Problem der hohen Kosten. Es ist eine gefährliche Situation, denn in unseren Gemeinden im Interieur gibt es überhaupt keinen Arzt, nur Krankenpfleger, die im Streik sind. So sind die armen Dorfbewohner ihren Krankheiten hilflos überlassen." Inzwischen ist der Streik etwas „aufgeweicht", weil jeweils ein Krankenpfleger arbeitet..

Im Übrigen ist der Alltag bestimmt vom täglichen Überlebenskampf. In der Provinzhauptstadt Mbandaka, die normalerweise etwa 250 000 Einwohner hat, leben jetzt 750 00 Menschen. Viele sind vom Land in die Stadt geflohen. Die Preise sind in den letzten Wochen sehr gestiegen. So kostete ein großer Fisch auf dem Markt um Weihnachten plötzlich 5 Dollar – das ist der Monatsverdienst eines Lehrers, wenn er denn überhaupt bezahlt wird.

Hohe Erwartungen an die bevorstehenden Wahlen

Nach Wählerregistrierung und Entwurf des Wahlgesetzes, das allerdings noch nicht verabschiedet ist, sollen Ende Juni freie und demokratische Wahlen im Kongo stattfinden. Die Menschen haben hohe Erwartungen an diese Wahlen und erhoffen sich eine schnelle Änderung der desolaten Lebensbedingungen und eine gerechte Verteilung der Resourcen des Landes.

Die große Sorge ist allerdings, ob das vorläufige Parlament und die Regierung, die aus den bis heute hoch gerüsteten Warlords des blutigen Kongokriege besteht und offiziell bis Ende Juni im Amt ist, den möglicherweise gegen sie gerichteten Wahlausgang kampflos akzeptieren werden. Noch haben die EU- Außenminister nicht entschieden, ob sie der UNO-Bitte nachkommen, einen demokratischen Wahlausgang möglicherweise militärisch abzusichern – und dann auch mit deutscher Beteiligung.

Betet für uns – so heißt es nicht nur in diesem Zusammenhang in vielen Briefen aus dm Kongo...

Zum guten Schluß: Delegation aus Bolenge nach Dortmund eingeladen

Im Herbst 2006 soll eine kleine Delegation aus dem Kirchenkreis Bolenge nach Dortmund eingeladen werden, denn Partnerschaft braucht Begegnung!

Wir hoffen, dass durch die konkrete Begegnung Partnerschaft bei uns hier erlebt und neu belebt werden kann.

Der Delegation werden angehören:

Der neue Superintendent Martin NGOY BONDJOKOTE

Der Leiter der Jugendarbeit Willy BOLEMO

Eine Krankenschwester aus BosomboaKongo im Interieur

Der AIDS-Beauftragte der Jüngerkirche Pastor Alain IMBOLO.

Termin: 11.Oktober - 2. November 2006

Thema: Christen aus zwei Welten begegnen einander

Wir fragen gemeinsam: wie nehmen wir den Auftrag Jesu, Salz der

Erde zu sein, in unserer Lebenswelt wahr?

Was können wir von einander lernen?

Wir bitten die Gemeinden schon jetzt herzlich um Mitarbeit:

Laden Sie für die Gottesdienste in dem genannten Zeitraum ein Mitglied der Delegation ein

Ermöglichen Sie Begegnungen in Gemeindegruppen, bei evtl. Festen etc.

Unterstützen Sie die Begegnung durch eine Sonderkollekte oder durch eine Sonderspende ( pro Gemeinde 200 Euro ?)

Helfen Sie uns, für solche Begegnungen in Ihrem Bereich französische ÜbersetzerInnen zu finden

Auf dem Pfarrkonvent am 3.Mai 2006 Näheres zu Programm und Angeboten

Das Bolenge-Echo wurde aus Briefen und Nachrichten zusammengestellt von

Dorothea Philipps, Vorsitzende des Partnerschaftskreises Bolenge

06. März 06

Wer mehr wissen möchte: täglich aktualisierte Nachrichten aus dem Kongo

(Politik, Fortgang des Wahlprozesses, Wirtschaft, allgemeine Lebensumstände etc.)

auf deutsch über:

www.kongo-kinshasa.de

Wer mehr wissen möchte: über Google: kongo


www.kirchedosued.de