Bolenge-Echo Nr. 12

 

Nachrichten aus unserem Partnerkirchenkreis Bolenge /Kongo

Dezember 2009

 

Viele gute Nachrichten

 

Diese beiden  Mädchen haben gut lachen – sie haben einfach Spaß daran, fotografiert zu werden, als wir sie im vorigen Jahr in ihrem Heimatdorf Mantuka am Ubangi-Fluss in unserem Partnerkirchenkreis Bolenge  besuchen. In diesem Jahr haben sie sicherlich noch mehr Grund zur Freude: ihre Mutter gehört vermutlich zu den Frauen, die mit unserer Hilfe einen Mikrokredit bekommen und sich damit eine kleine Existenzgrundlage geschaffen haben. Und wer weiß - vielleicht kriegen diese beiden als Weihnachtsgeschenk, dass sie nun zur Schule gehen dürfen, weil ihre Eltern das Schulgeld zahlen können…

 

Das ist eine der guten Nachrichten aus unserm Partnerkirchenkreis Bolenge:

Das Mikrokreditprogramm ist inzwischen auf alle Gemeinden  ausgedehnt worden. Es gibt vielen Menschen Hoffnung -und es macht Schule:  Die Synode der Jüngerkirche hat im Sommer 2009 angeregt, solche Projekte in all ihren Kirchenkreisen einzurichten – wenn es denn eine Anschubfinanzierung von außen gibt.

 

Damit ist das Mikrokreditprojekt nach den kleinen Pharmazien das zweite Projekt, das nun flächendeckend im ganzen weiten Kirchenkreis Bolenge etabliert werden konnte – dank des unermüdlichen Einsatzes des Superintendenten Martin Ngoy und seiner Ehefrau Bofy, die ihre Aufgabe als Koordinatorin sehr ernst nimmt. Die beiden sind ständig im Kirchenkreis unterwegs – zu den Flussgemeinden mit Einbaumboot und Außenbordmotor, zu den Landgemeinden mit Fahrrad oder Motorrad.

Apropos Motorrad: nachdem das alte Motorrad von Superintendent Ngoy keine weiten Strecken und Transporte auf Urwaldpisten mehr bewältigen konnte, haben wir ihm jetzt auf seine Bitte hin mit 3 000 Euro ein neues Yamaha-Motorrad finanziert.  

 

Der Transport von Menschen und Sachen bleibt in der Region wie überall im Kongo weiterhin ein großes Problem. Wir haben auch in diesem Jahr weitere Fahrräder und Boote finanziert, damit Pfarrer, Frauen- Präsidentinnen und Jugendmitarbeiter die nötigen Transportmittel haben. Zumindest für diesen Personenkreis stehen nun in allen Gemeinden - also ebenfalls flächendeckend – Transportmittel zur Verfügung.

 

Auch konnten weitere Bibeln verteilt werden, aber hier besteht nach Superintendent Ngoy immer noch Bedarf. Zum Glück sind Bibeln in Lingala und Lomongo für zehn Dollar bei der Bibelallianz in Mbandaka zu kaufen.

 

Insgesamt konnten wir unserem Partnerkirchenkreis in diesem Jahr   17  000 Euro für Projekte zur Verfügung stellen –  so viel wie noch nie in den vorhergehenden Jahren.

Superintendent Ngoy bedankt sich im Namen seiner Gemeinden sehr herzlich und betont noch einmal, wie groß die Freude und Zufriedenheit überall im Kirchenkreis Bolenge ist – denn die Hilfe ist ja in den entferntesten Gemeinden spürbar. Hilfe aus Dortmund heißt einfach: Menschen, die an uns denken und uns helfen.

 

Woher kommt das Geld?

 

 

Es gibt aus Dortmund besonders eindrückliche Beispiele von Spendenbereitschaft; sie sollen hier einmal benannt und vielleicht zur Nachahmung empfohlen werden:

 

- Als Geburtstagsgeschenk wünschen sich Menschen bei uns Geld für Bolenge

 

- ein Ehepaar hat zugunsten von Bolenge sogar auf Hochzeitsgeschenke verzichtet

 

 - eine Dauerspenderin überweist monatlich einen Betrag

 

-  Kindergottesdienstkinder backen Plätzchen für Bolenge

 

-  Basare, Gemeindefeste, Spenden und Kollekten in Gemeinden, aus der

   LWL-Klinik und dem Fritz-Heuner-Heim speisen immer wieder das Bolengekonto

 

 - Selbst Kirchenfremde spenden aufgrund von Zeitungsberichten

 

Gibt es eine Erklärung für diese große Spendenbereitschaft in schwierigen Zeiten?

Ich denke, es hat sich inzwischen herumgesprochen: „Bolenge“ steht für Hilfe, die Not wendet und ankommt. 

Auf diesem Wege herzlichen Dank  den Mitgliedern des Bolengekreises für ihr Engagement an vielen Stellen und natürlich allen Spenderinnen und Spendern. Wir versuchen, anhand der Spendeneingänge zeitnah allen persönlich zu danken. Weil es auf den Überweisungsträgern kein Adressen gibt,  ist das nicht einfach und gelingt manchmal leider gar nicht.

 

Wie Menschen in Bolenge leben

 

Dass sich die Menschen in Bolenge keineswegs nur auf Hilfe von außen verlassen, so wichtig sie auch angesichts des großen Mangels in allen Bereichen ist, macht Kirchenpräsident  Bonanga deutlich.

Er schreibt: Bei unseren Rundreisen durch die Kirche sehe ich, dass wir bei allem Mangel an Geld und Material auch Gemeinden haben, die sich selbst an die Arbeit machen und z.B.  mit lokalen Materialien wie selbst gepressten Ziegeln und Palmstrohdächern sehr schöne Kirchen und Kapellen bauen. Herzlichen Glückwunsch solchen Gemeinden, die verstanden haben: es ist unsere Kirche, für die wir selbst verantwortlich sind – und unsere Partner sind bereit, uns da zu helfen, wo unsere eigenen Mittel nicht reichen.

 

Wie mühsam das ganz normale Leben sein kann, macht der folgende kleine Bericht deutlich, den uns Frau Bofy Ngoy aufgeschrieben hat:

 

 

Diese kleine Geschichte macht deutlich: es wird noch viel Hilfe gebraucht! Wenn z.B. Mama Anne als Transportmittel ein Fahrrad zur Verfügung hätte, wäre ihr Alltag schon viel leichter. Oder wenn bei Krankheiten – Malaria, Durchfall, Husten, Fieber -  qualifizierte medizinische Hilfe direkt vor Ort möglich und  bezahlbar wäre, wäre das eine große Hilfe für die Familien.

 

In diese Richtung geht auch unsere Planung für 2010: Wir möchten helfen, Gesundheitszentren wieder einrichten,  zumindest in einigen Gemeinden. Sie gab es vor dem Krieg, und sie wären, einfach ausgestattet und vor allem personell qualifiziert besetzt, eine direkte Hilfe, vor allem für Regionen, die mehrere Tagesreisen weit vom Krankenhaus Bolenge entfernt sind. Wir hoffen, dass wir auch dafür wieder auf die Spendenbereitschaft  vieler Menschen hier zählen können.

 

Übrigens richtet inzwischen auch die Weltbank ihr Augenmerk auf die Situation der ländlichen Bevölkerung in unserer Partnerregion: Sie hat Anfang Dezember in Kinshasa ihr erstes Projekt zur Entwicklung der Landwirtschaft im Equateur vorgestellt. Das Projekt befindet sich am Ende der Vorbereitungsphase und soll ab Mitte 2010 realisiert werden. Es soll die landwirtschaftliche Produktion steigern und den Zugang zu Märkten verbessern. Zu diesen Zweck soll den Menschen Technologien zur Produktion und zur Konservierung ihrer Produkte zugänglich gemacht werden.

Es wäre gut, wenn davon auch Menschen wie Mama Anne profitieren würden…

 

 

Pläne 2010:  Jubiläum und  Besuch aus Bolenge

 

Es hat sich inzwischen herumgesprochen: im kommenden Jahr können wir das 25jährige Jubiläum der Partnerschaft feiern. Die Vorbereitungen haben bereits begonnen:

 

Ein Taschenkalender 2010 mit Foto aus Bolenge wird u.a. bei den Gottesdiensten zum Jahresbeginn verteilt werden.

 

Eine Delegation aus Bolenge ist vom 10. bis 30 September 2010 eingeladen. Dabei auch Kirchenpräsident Bonanga und das Ehepaar Ngoy.

 

Eine Festschrift ist im Entstehen – mit vielen Fotos und Beiträgen wie z. B. Besuch bei Mama Anne im Dorf.

 

Als Höhepunkt geplant: der Brückentag am 19. September 2010, der zusammen mit unseren Gästen als Kreiskirchentag in Aplerbeck von allen Gemeinden im Kirchenkreis Dortmund-Süd gefeiert werden soll.

 

Ein Benefizkonzert  zugunsten von Bolenge mit der Oslokammerakademi unter Leitung von David Friedemann Strunck wird am 18. Juni 2010 in Eichlinghofen stattfinden.

 

 

Beunruhigende Nachrichten

 

Nicht nur der Osten der Demokratischen Republik Kongo, die ja insgesamt so groß wie Westeuropa ist, ist weiter instabil und täglich von  bewaffneten Auseinandersetzungen, schwersten Menschenrechtsverletzungen wie Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen, krasser Armut und Hunger heimgesucht..

Seit Ende Oktober gibt es beunruhigende Nachrichten nun auch unserer Provinz Equateur. Die Region Dongo im Nordwesten ist Zentrum der inzwischen auch mit Waffen geführten Auseinandersetzungen. Nach UN-Angaben sind aktuell über

90 000 Menschen auf der Flucht, die meisten ins Nachbarland Kongo/Brazzaville, zehntausende auch im eigenen Land. Sie verstecken sich in den tropischen Wäldern und sind so für Hilfsorganisationen nicht erreichbar.

Am 7.12. hat uns Kirchenpräsident  Bonanga informiert, dass jetzt auch in Mbandaka Flüchtlinge angekommen sind. Sie stammen aus dem nördlichsten Jüngerkirchenkreis Bosobele, der an unseren Kirchenkreis Bolenge grenzt. Unter ihnen ist der Superintendent, mehrere Lehrerfamilien und auch der Arzt Dr. Bosolo, insgesamt 50 Personen. Sie sind notdürftig in Mbandaka untergebracht. Bonanga hat uns um Fürbitte und um Nahrungsmittelhilfe für sie gebeten. Wir haben jetzt 1000 US-Dollar Soforthilfe überwiesen.

Die Flüchtlinge hoffen auf baldige Rückkehr; die Armee und die UN sind in Dongo vor Ort, und auch Präsident Kabila hat sich eingeschaltet. Wir können nur hoffen und beten, dass der regionale Konflikt dort gelöst werden kann und es nicht zu einem Flächenbrand kommt.

 

Nachdenkliches am Schluss

 

Können wir für das zu Ende gehende Jahr im Blick auf die Partnerschaft eine positive Bilanz ziehen?

Ich meine ja – es hat sich in Bolenge manches zum Guten gewendet. Und bei uns - gibt es auch bei uns eine positive Bilanz? Könnte sie etwa so lauten, wie Erzbischof Zollitsch formuliert:  Wer in Afrika war, wird in Europa bescheidener  (in: Forum Weltkirche, Heft 6/2009) – ein wenig abgewandelt für uns:

Wer von Menschen in Bolenge weiß, der wird bei uns bescheidener.

 

In diesen Sinne wünsche ich uns allen eine segensreiche Advents- und Weihnachtszeit und einen guten Start in ein hoffentlich friedliches Jahr 2010 – für uns hier und für die Menschen im Kongo.

 

Für den Bolengekreis

Dorothea Philipps

8.12.09

 

Spenden unter:

Kreiskirchenkasse Dortmund

Kto. Nr. 0010 70 800 Spk. Dortmund

BLZ 440 501 99