Bolenge-Echo Nr. 11
Nachrichten aus unserem Partnerkirchenkreis Bolenge /Kongo
Mai 2009
Mikrokredite hoffentlich bald für alle Gemeinden in Bolenge

Gerne drücken diese Frauen die Schulbank, um etwas zu lernen über Mikrokredit – wer ihn bekommt und wozu, wie frau ihn zurückzahlt und wie der Gewinn am besten angelegt wird.
Nach den sehr ermutigenden Erfahrungen in den ersten neun Landgemeinden des Kirchenkreises Bolenge ist das Programm nun auf acht Flussgemeinden ausgeweitet worden. Dazu hat Frau Bofy Ngoy, die Koordinatorin des Programms, im März 2009 die Präsidentinnen der Frauen zur Schulung hier in Mantuka, einem Dorf am Ubangi-Fluss, zusammen gerufen, um sie zu schulen. Eiserne Regel: nur wer selber etwas Geld angespart hat, bekommt einen Kredit.
Aus den Landgemeinden, in denen das Programm schon seit Anfang 2008 läuft, hören wir, dass von den zurückgezahlten Geldern eine Kuh angeschafft wird. Die Idee ist, dass sie in den nächsten Jahren Nachwuchs haben und damit der Gemeinde als Einkommen schaffende Maßnahme dienen soll. Angesichts der hohen Inflation ist das vermutlich die sinnvollste Art, das Geld anzulegen. Jedenfalls soll es in der jeweiligen Gemeinde bleiben.
Der Partnerschaftskreis in Bolenge wünscht sich, dass Mikrokredite bald in allen Gemeinden des Kirchenkreises zur Verfügung stehen – das kann mit einem kleinen finanziellen Grundstock ( etwa 300 – 500 Euro) geschehen.
Übrigens: unser Partnerschaftskreis hier in Dortmund hat für das Mikrokredit- Projekt im Dezember 2008 das mit 500 Euro dotierte Agenda-Siegel der Stadt Dortmund bekommen.
Ein Riesenerfolg: kleine Pharmacien flächendeckend
Fast unglaublich: inzwischen haben alle 28 Gemeinden im Kirchenkreis Bolenge eine kleine Pharmacie, ein Depot der nötigsten Medikamente. Lediglich zwei Flussgemeinden, die erst gerade selbständig geworden sind, warten noch darauf. Das ist ein unermesslicher Fortschritt, wenn man bedenkt, dass noch vor zwei Jahren keine Gemeinde so ein Depot hatte – schließlich haben wir erst 2007 sehr vorsichtig auf dringenden Wunsch von Kirchenpräsident Bonanga und Sup. Ngoy die ersten drei kleinen Pharmacien in entlegenen Flussgemeinden finanziert ( 600 USD pro Pharmacie).
Dazu ein Mitarbeiter aus dem Generalsekretariat: Diese Pharmacien, die ihr finanziert habt, retten immer mehr Leben von Kindern und Müttern.
Kann man mit 600 US Dollar Besseres anfangen?
Allerdings: so eine Pharmacie kann eigentlich nur ein Anfang sein, die medizinische Versorgung vor Ort zu verbessern – dringend nötig wären kleine Gesundheitszentren, wie es sie früher einmal in den Dörfern gab, wo einfache medizinische Untersuchungen und Eingriffe gemacht werden können. Dazu fehlt es allerdings bisher noch an Ausrüstung, Material und vermutlich auch an geschultem Personal. Bei unserm Besuch in vergangenen Jahr wurden uns mehrfach Wünsche nach so einem Gesundheitszentrum vorgetragen…
46 Fahrräder und 19 Pirogen…
…sind bisher durch unsere Hilfe in den Kirchenkreis Bolenge gelangt. Hinter diesen nüchternen Zahlen müssen wir uns viele Menschen vorstellen, die dank unserer Hilfe nun eine Fortbewegungs- und Transportmöglichkeit haben– als Pfarrer oder Frauen-Präsidentinnen oder Jugendmitarbeiter. Dennoch reicht es noch nicht: es werden noch weitere 13 Fahrräder und 13 Pirogen gebraucht, um in allen Gemeinden den genannten Personenkreis zu versorgen.
Das jedenfalls ist das erklärte Anliegen von Sup. Ngoy, der sehr genau darauf achtet und uns entsprechende Listen schickt, dass alle Gemeinden berücksichtigt werden, denn, so schreibt er, alle sind ja in große Armut gefallen; deswegen haben alle Hilfe nötig. Er ist zusammen mit dem Partnerschaftscomité unentwegt unterwegs, um in den Gemeinden zu gucken, wie die Projekte laufen. Der Außenbordmotor leistet dabei gute Dienste, wenn auch das Benzin ordentlich Geld verschlingt – der Liter kostet 1,50 USD!
Noch mehr Bibeln und Gesangbücher
Sie stehen weiter oben auf der Wunschliste aus Bolenge. Sie kosten 10 bzw. 8 USD - für die meisten unerschwinglich. Zu Weihnachten konnte dank der 2 000 Euro von der EkvW an 200 Menschen eine Bibel verschenkt werden – darunter auch Theologiestudenten, die bisher keine besaßen. Aber, so Sup. Ngoy, der Bedarf und das Verlangen nach einer Bibel ist immens.
Partnerschaft ist…… wenn Unmögliches möglich wird
So jedenfalls deutet Sup. Ngoy unsere Jahreslosung: Was bei Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich ( Luk. 18, 27).
Er schreibt in einer kleinen Meditation zu der Geschichte des reichen Jünglings, an deren Ende die Jahreslosung steht:
Kurz gesagt: wir meinen, dass Jesus gemerkt hat, dass das Engagement des reichen Jünglings nur oberflächlich ist, denn er hängt sehr an seinem Reichtum. Dennoch: Gott kann jeden Menschen retten, auch den Reichen!
Und das gilt auch für uns heute: Es gibt ja viele Reiche, Europäer wie Afrikaner. Manche von ihnen finden es schwer, Armen zu helfen oder die Kirche zu unterstützen, und sie fragen sich: warum soll ich geben; was machen die mit meinem Geld?
Dennoch kann Gott auch die Reichen dazu bringen, sich zu ändern, und das tut er, indem er die Armen ganz unerwartet besonders zu Ehren bringt.
Auch konkret im Blick auf unsere Partnerschaft hat Gott möglich gemacht, was menschlich unmöglich schien. Denn unsre Partnerschaft ist ja nach menschlicher Erfahrung lange wie blockiert gewesen. Nun lebt sie wieder, und das Feuer hat sich mit bemerkenswertem Schwung neu entzündet.
So haben die Gemeinden bei uns im Hinterland niemals gedacht, dass sie je etwas von der Partnerschaft hätten – jetzt profitieren sie regelmäßig davon.
Selbst angesichts der Tatsache, dass ihr bei euch in Deutschland Kirchen und Gemeindehäuser schließen müsst und in einer Finanzkrise seid, die euch hindern könnte, Projekte bei uns zu unterstützen, hat Gott es möglich gemacht, dass ihr weiter Afrika und dem Kongo helfen könnt.
Zum Beispiel schien es unmöglich, dass schwarze Kinder irgendwo in einem der sehr entlegenen Dörfer unseres Kirchenkreises, etwa in Mpoka-Kabaka oder Lilanga jemals ein weißes Gesicht zu sehen bekämen – aber Gott hat es möglich gemacht bei Eurem Besuch 2007, dass schwarze Kinder euch Weiße anfassen konnten…
Auch das teilt uns Sup. Ngoy mit: bei der Kreissynode, die vom 17. bis 21. Juni mit 150 Delegierten in Bolenge abgehalten wird, soll übrigens unsere Jahreslosung das Hauptthema sein.
Unsere Region: vom gegenwärtigen Krieg weitgehend verschont
In unserer Region scheint es ruhig zu sein – wir hören von mehrwöchigen Reisen der Kirchenleitung mit Pirogen und Motorrädern zu Gemeinden und Kirchenbezirken, die mehr als 1 000 km entfernt sind.
Auch Sup. Ngoy kann immer wieder seinen weit an den Ufern der Flüsse Kongo und Ubangi ausgedehnten Kirchenkreis besuchen.
Und unser junger Arzt Dr. Bosolo im entlegenen Bosobele, der in seinem Krankenhaus alle Hände voll zu tun hat, kann dank des Außenbordmotors Kranke im weiten Umkreis versorgen und sich gelegentlich in der Provinzhauptstadt Mbandaka Medikamente und Baumaterial für sein Wohnhaus besorgen. Seit einigen Wochen hilft ihm der Medizinstudent Mokumu Kabemba, der aus der Hauptstadt Kinshasa angereist ist, um bei Dr. Bosolo zu lernen.
Auch AIDS-Beauftragter Pastor Alain Imbolo ist immer wieder z.T. wochenlang zu Gemeinden unterwegs, um die von ihm ins Leben gerufenen Gruppen zu besuchen und beraten.
Das alles sind erfreuliche Anzeichen für eine relative Ruhe und Stabilität in der Region – im Gegensatz zu den Gebieten im Osten Kongos, wo trotz UN-Bemühungen die Situation zunehmend eskaliert und alle Kriegsparteien fortwährend schwerste Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung begehen. Gott sei Dank hat sich also bisher der Krieg nicht, wie auch von unsern Partnern zunächst befürchtet, auf die Äquator-Region ausgedehnt.
Dennoch verschlechtert der Krieg im Osten weiter die Gesamtlage im Kongo, da die an sich reichen Ressourcen nicht dem nötigen Aufbau des Landes, sondern der Kriegführung dienen. Nach neueren UN- Untersuchungen hält der Kongo weltweit den traurigen Rekord im Blick auf Unterernährung und Kindersterblichkeit.
Finanzkrise – nicht mit uns!
Die Befürchtung, dass unter der gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzkrise die Ärmsten der Welt besonders zu leiden haben, hat sich leider auch für den Kongo insgesamt bewahrheitet. Wegen der dramatisch gefallenen Rohstoffpreise hat sich die wirtschaftliche Situation noch weiter verschlechtert.
Für Bolenge allerdings gilt das nicht – dank der großen Spendenbereitschaft aus Dortmund geht es dort wenigstens ein bisschen bergauf. Offenbar gibt es bei uns Leute, die sich sagen :Jetzt erst recht! Lasst uns gegen die Globalisierung der Märkte, die ja eine der Ursachen der Wirtschaftskrise ist, jetzt die Globalisierung der Herzen setzen. Und schließlich wissen wir ja, wem wir da helfen , denn durch unsere Partnerschaft hören wir direkt von den Nöten der Menschen und haben so die Chance, ihnen gezielt vor Ort zu helfen. Diese Chance gilt es auch weiter zu nutzen.
Die Dankbarkeit für alle Unterstützung ist groß: „Wir können immer wieder nur Gott danken für euch und ihn bitten, dass er euch auch in Zukunft Energie und Mut gibt, die Partnerschaft weiter voran zu bringen; dafür segne euch Gott“, schreibt Vizepräsident Mputu.
Für den Bolengekreis:
Dorothea Philipps
28.05.09
Spenden unter:
Kreiskirchenkasse Dortmund
Kto. Nr. 00 10 70 800 Spk. Dortmund
(BLZ 440 501 99)