Bolenge-Echo Nr. 10
Nachrichten aus unserem Partnerkirchenkreis Bolenge/Kongo
November 2008

Das könnte der Weihnachtsmann sein aus Bolenge sein – schließlich hat er ein richtiges Überraschungspaket auf seinem Motorrad.
Dieser „Weihnachtsmann“ war schon Mitte August 2008 unterwegs. Es ist Pastor Alain Imbolo, AIDS-Beauftragter der Jüngerkirche im Kongo – viele kennen ihn noch von seinem Besuch 2006 in Dortmund. In seinem Gepäck: Medikamente für das Dorf Itondo Mpoka, eine Spende aus Dortmund-Süd
Er begleitet oft Superintendent Martin Ngoy bei seinen Besuchen in den Gemeinden des weit ausgedehnten Kirchenkreises Bolenge.
Wie mühsam das ist, können wir auf dem Foto sehen: auf kleinen Pfaden geht es durch den tropischen Regenwald, die Kleidung schützt nur notdürftig, an den Füßen trägt Alain übrigens die Plastiksandalen, die wir im März bei unserm Besuch dagelassen haben.
Er strahlt, denn er hat nun dank unserer Hilfe wieder ein Motorrad zur Verfügung und nützt die Gelegenheit, die von ihm ins Leben gerufenen AIDS-Gruppen in den Dörfern zu besuchen und mit ihnen immer wieder über Vorbeugung und Schutz vor AIDS zu sprechen.
Er schreibt: In den entlegenen Urwaldgemeinden sterben viele Menschen, ohne zu wissen woran. Vielfach glauben sie an Zauberei, in Wahrheit aber ist es AIDS.
Wo er Menschen aufklären kann, erschrecken sie über ihren bisherigen Lebenswandel und ändern ihre Lebensweise.
Heute nun haben er und Sup. Ngoy große Pakete mit Medikamenten auf ihren Motorrädern, bestimmt für die gerade eingerichtete Landpharmacie in Itondo Mpoka, etwa 190 km vom Zentrum Bolenge entfernt.
Das ist für die Menschen wie Weihnachten! Bisher gab es in ihrem Dorf überhaupt keine Medikamente - ebenso wenig wie in den Nachbardörfern. Nun können Malaria, Durchfall, fieberhafte Erkältungen, Würmer etc. im Dorf behandelt werden. So ein Medikamentendepot ist direkte Überlebenshilfe und wird sehr dankbar entgegen genommen.
Sup. Ngoy ruft dann die Verantwortlichen des Dorfes zu sich und erklärt noch einmal: Die kleine Landpharmacie, für die schon eine eigene Hütte gebaut ist, soll von einem Comité geleitet werden, und die Medikamente werden für einen kleinen Eigenbeitrag abgegeben, damit gelegentlich auch neue gekauft werden können.
Er warnt: In einem Dorf hat der Pastor die kleine Pharmacie geleitet und seine Frau war Kassiererin. Da haben wir gleich eingegriffen, ein Comité eingesetzt, das die Arbeit der Pharmacie überwacht, und klar gemacht: die Pharmacie ist niemandes Privateigentum.
Solche und ähnliche erfreuliche Nachrichten haben wir in den letzten Wochen aus Bolenge bekommen, Nachrichten, die uns zeigen: Der Kampf gegen Armut und Faulheit, auf der Synode des Kirchenkreises Bolenge im Sommer in den Mittelpunkt gestellt, wird sehr ernst genommen. Dazu gehört, dass unsere Hilfen direkt vor Ort gelangen und unsere Projekte schnell, wirkungsvoll und mit intensiver Begleitung umgesetzt werden.
Erfreuliche Nachrichten
Kleine Pharmacien (Medikamentendepots) sind inzwischen in 10 Landgemeinden eingerichtet. Sup. Ngoy besucht fast jede Woche eine Gemeinde, um sie zu beraten und auch zu kontrollieren. Auch kommen jetzt schon die ersten Betreiber aus den Dörfern in die Provinzhauptstadt Mbandaka, um dort Medikamente nachzukaufen.
Ein kleines Detail: In der Gemeinde Bodjiya-Bolaka hat der Katechist die Medikamente auf drei Untergemeinden aufgeteilt, und nun funktionieren nach Alains Bericht dort gleich drei Pharmacien sehr gut.
Außerdem konnten auch zwei weitere Pharmacien in den Flussgemeinden Mpombo und Wengja eingerichtet werden. Darum hatten uns die Verantwortlichen bei unserm Besuch sehr dringlich gebeten.
Das Mikrokreditprogramm, das ja sehr erfolgreich ist, konnte inzwischen mit unserer Hilfe erweitert werden – jetzt läuft es auch in den Landgemeinden Buya III, Penzele, Widjifake und Bolengo Mabaya . Überraschung in der Gemeinde Buja III : Dort hatten die Frauen und die Männer jeweils schon ein eigenes kleines Mikrokreditprogramm aufgebaut, jetzt hat es mit unserer Hilfe den 30fachen Umfang und ist eine große Hilfe, wie Sup. Ngoy berichtet.
Die Piroggen für die Frauen der Flussgemeinden, die seit dem Sommer in Bolenge bereitgestellt waren, sind inzwischen vor Ort angekommen, ebenso zwei Piroggen für die Jugendarbeit der Flussgemeinden Bobangi und Lilanga.
Nachdem schon im Sommer weitere 73 Bibeln gezielt an Jugendliche, Laienmitarbeiter und Witwen im Kirchenkreis weitergegeben werden konnten, haben wir jetzt 2 000 Euro von der EkvW für den Kauf von Bibeln für Bolenge erhalten – so können noch vor Weihnachten dort etwa 250 Bibeln verteilt werden, ein ebenfalls hochwillkommenes Geschenk! Dazu ein aktuelles Zitat aus dem Kongo: die Bibel ist das größte und haltbarste Geschenk, das ein Mensch überhaupt bekommen kann – es hält bis in die Ewigkeit..
Großartige Spendenbereitschaft in Dortmund-Süd
Für die verschiedenen Projekte, Programme und Hilfen für den Kirchenkreis Bolenge haben wir in diesem Jahr etwa 16.000 Euro bereitstellen können. Dieser großartige Betrag ist ausschließlich durch Spenden aufgebracht worden – im Namen der vielen Menschen, die dadurch Hilfe erfahren und neuen Lebensmut bekommen, herzlichen Dank!
Der weitere Hilfebedarf ist immens – wir hoffen auch im kommenden Jahr wieder auf kräftige Unterstützung aus unseren Gemeinden und geben hier gerne die Wünsche aus Bolenge weiter:
Wünsche für 2009 – nicht nur zu Weihnachten!
Dazu schreibt uns Frau Bofy Ngoy, die Vorsitzende des Partnerschaftscomités in Bolenge:
Erste Priorität hat auch für uns das Mikrokreditprogramm, das wir vor allem auf die Flussgemeinden ausdehnen möchten. Wegen der weiten Entfernungen kann Frau Bofy Ngoy die Vorbereitungen und die Bildung der örtlichen Gruppen nicht allein leiten. Wir schlagen deshalb vor, dass die Vorsitzenden der Frauenarbeit aus den Flussgemeinden nach Bolenge eingeladen und dort gemeinsam von Frau Ngoy trainiert werden.
Wir wünschen uns, dass 2009 alle Gemeinden eine kleine Pharmacie haben
es gibt noch Bedarf sowohl in einigen Landgemeinden wie auch in vielen Flussgemeinden.
Für Jugendmitarbeiter in den verschiedenen Gemeinden werden noch Fahrräder bzw. Boote gebraucht.
Planungen 2010 - auf Hoffnung!
2010 wollen wir das 25jährige Jubiläum der Partnerschaft feiern. Dazu gibt es jetzt schon viele Überlegungen. Sicher ist: 2010 soll es wieder eine Begegnung geben. Wir werden, wenn möglich, eine Delegation aus Bolenge einladen – dazu sollte auch einer der wahrhaft mitreißenden Chöre z.B. aus einer Flussgemeinde gehören. Aber das ist wortwörtlich Zukunftsmusik.
Alle Planungen können angesichts der augenblicklichen politischen Situation nur auf die Hoffnung gegründet sein, dass das Land als Ganzes ruhig bleibt. Nicht umsonst sind alle Gemeinden hier in Dortmund-Süd aufgerufen zur Fürbitte für die Menschen im Kongo! Auch unsere Partner in der Äquatorregion und in Bolenge sind sehr beunruhigt aufgrund des Krieges im Osten. Schließlich haben sie schon zweimal erlebt, wie schnell der Krieg vom Osten auf das ganze Land übergreifen kann.
Aber sie verlassen sich darauf: „Am Ende hat immer noch unser Gott das letzte Wort“ – so Vizepräsident Clement Mputu zur Lage.
Hier noch einmal der Fürbittentext, den Superintendent Wortmann auch auf unserer Kreissynode gesprochen hat:
Lieber Vater im Himmel, wir sehen die Bilder von Menschen im Osten des Kongo, die auf der Flucht vor kriegerischen Auseinandersetzungen sind und hören von ihrer Not. Wir bitten dich für diese Menschen und für alle, die sich jetzt für Frieden und gerechten Ausgleich in dieser Region einsetzen: Mach aller Gewalt ein Ende.
Wir beten für das ganze Land und auch für unsere Partner in der Äquatorregion, dass der Krieg nicht den gesamten Kongo überrollt und ins Elend stürzt.
Du hast deine Kirche auch dort gebaut und Menschen zu deinem Dienst berufen. Schütze und stärke sie im Kampf für den Frieden. Amen
Wie Bolenge Weihnachten feiert…
beschreibt für uns Frau Bofy Ngoy:
„In den Gemeinden gibt es vom 15 – 24. Dezember jeden Tag besondere Gottesdienste – entweder frühmorgens oder abends. In der Nacht vom 24. gibt es den Nachtgottesdienst. Dann singen außerdem die ganze Nacht Chöre, die von einer Straße zur anderen gehen, von einem Haus zum anderen. Dabei haben sie ihre Petroleumlampen an der Hand.
Auch gibt es die ganze Nacht Weihnachtstheater, d.h. die Weihnachtsgeschichte wird aufgeführt.“
Und ich glaube ganz bestimmt, dass dann auch gesungen wird:
Zünde dein Licht an, Freund, tief in der Nacht…
Ein Vorschlag auch für unsere Weihnachtsgottesdienste?

In den Familien, so Frau Ngoy weiter, gibt es wegen der Armut keinerlei Geschenke; die Eltern versuchen, wenigstens am Weihnachtstag nach dem Gottesdienst für ihre Kinder etwas Gutes zu essen zu bereiten. Vor allem, wo viele Kinder sind, sind sie traurig, weil die Eltern ihnen nichts Besonderes bieten können. Neue Kleider zu Weihnachten gibt es eben nicht. Oft sieht man Kinder von armen Eltern oder Waisenkinder zu Nachbarn, die etwas mehr haben, zum Essen gehen.
Ein besonderes Weihnachtsgeschenk…
wird Dr. Bosolo bekommen, ein junger, sehr fähiger Arzt, der vor ein paar Wochen in den sehr entlegenen Kirchenkreis Bosobele gegangen ist, mehr als 400 km von Mbandaka entfernt, an einem Nebenfluss des Ubangi gelegen. Dort soll er ein Krankenhaus wiederaufbauen und 10 Gesundheitsstationen im Umkreis von 180 km betreuen – zu Fuß oder rudernd auf dem Fluss.
Ohne dass er uns darum gebeten hätte, konnten wir dank spezieller Unterstützung aus Dortmund und Umgebung ihm für seine Arbeit einen Außenbordmotor finanzieren; die VEM finanziert nun ein Motorrad.
Dazu Kirchenpräsident Bonanga: Wir danken euch für diese großartige Hilfe, die den Menschen in der ganze Region dort am Ubangi zugute kommen wird. Ich werde noch im November mit der Kirchenleitung dorthin fahren und Dr. Bosolo einführen und im Beisein der ganzen Bevölkerung Außenbordmotor und Motorrad übergeben.
Danke, dass ihr nicht müde werdet, das Werk unseres Herrn in der ganzen Jüngerkirche wie auch in Bolenge zu unterstützen.
Diesen Dank gebe ich gerne weiter zugleich mit dem dringlichen Wunsch, dass sich die Menschen in Bolenge auch im kommenden Jahr auf unsere Unterstützung in Wort und Tat verlassen können und grüße Sie im Namen des Bolengekreises herzlich zu Weihnachten und zum neuen Jahr!
Dorothea Philipps, Pastorin i.R.
14.11.08
Spenden sind weiter willkommen
Kreiskirchenkasse Dortmund
Konto Nr. 001 061 100 Sparkasse Dortmund
(BLZ 440 501 99)
Stichwort: Bolenge