Bolenge-Echo


Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Bolenge im Kongo

Auf der Sommerkreissynode 2004 wurde beschlossen, die seit 1986 bestehende  Partnerschaft zwischen dem Kirchenkreis Dortmund-Süd und dem Kirchenkreis Bolenge in Kongo (Zaire) für eine Übergangszeit von zunächst 2 Jahren fortzusetzen. Das tropische  Land Kongo ist ca. 6,5 mal so groß wie Deutschland, hat aber weniger Einwohner. Etwa die Hälfte der Bevölkerung sind römisch-katholische Christen. Ein Fünftel der Gesamtbevölkerung ist protestantisch. Unsere Partner gehören zur Gruppe der Protestantischen Kirchen.

Zwischen 1986 und 1997 gab es Besuche in beide Richtungen mit vielen wertvollen Begegnungen für alle Beteiligten. Die afrikanischen Gäste besuchten hier nicht nur Gemeindegruppen, sondern vermittelten auch zahlreichen Schulkindern einen lebendigen Eindruck von ihren Lebensbedingungen und ihrer Spiritualität. Wir erfuhren von ihnen etwas über das tägliche Leben im Kongo: Grundnahrungsmittel sind Maniok, Reis, Kartoffeln, Fisch, Erdnüsse und viele verschiedene Gemüse- und Obstsorten. Einheimische Obstsorten sind Mangos, Orangen, Papayas und Kokosnüsse. Wer sich selbst versorgen kann, hat es gut. Geld zum Einkaufen hat kaum jemand. Gehälter- auch der Lehrer - werden oft monatelang nicht bezahlt. Lehrer und Schulkinder müssen oft der Schule fernbleiben, um sich mit den lebensnotwendigen Nahrungsmitteln zu versorgen. Lebensrettende Medikamente und Arztbesuche sind fast immer unerschwinglich.
Viele Menschen dieses Landes kennen kaum friedliche Zeiten: Im Jahr 1959 erlangte die Kolonie Belgisch-Kongo die Unabhängigkeit von Belgien, das seit 1884 das Land regierte. Nach der Erlangung der Unabhängigkeit wurde die politische Stabilität ständig durch Rebellionen, Militär und Diktatoren gefährdet. Gerade geschaffener bescheidener Wohlstand wurde und wird von plündernden, brandschatzenden und mordenden Truppen aller Parteien immer wieder brutal zerstört, die Menschen können oft genug nur ihr Leben retten, indem sie sich alles zurücklassend im Urwald verbergen. Aus Sicherheitsgründen besuchten seit 1987 auch keine deutschen Gemeindegruppen mehr das Land.     

Zu den positiven Aspekten der Partnerschaft gehört gewiss, dass der ökumenische Horizont vieler Menschen bei uns erweitert wurde, dass Betroffene und Augenzeugen authentisch das Leid und die existentiellen Probleme dort vermitteln  konnten.Leider gab es auch negative Erfahrungen, die zu der Überlegung führten, die Partnerschaft vielleicht doch besser zu beenden: Geld, dass der Kirchenkreis Bolenge für Projekte erhielt, wurde teilweise zweckentfremdet verwendet. Die Zahlungen wurden daher bereits im Jahre 1999 weitgehend eingestellt. Wer allerdings etwas über die große Armut großer Teile der Bevölkerung weiß, hütet sich vor einer vorschnellen Verurteilung.

In diesem Jahr nun  fanden wichtige Gespräche mit dem Ziel statt, die Partnerschaft doch noch zu retten. Pastorin Philipps und Andreas Denda, der seinen Ersatzdienst in Bolenge ableistete und auch Lingala spricht, waren im Kongo. Insgesamt werden in der "Demokratischen" Republik Kongo über 200 verschiedene Sprachen gesprochen. Offizielle Amtssprache des Landes ist Französisch, aber nur etwa 10% der gesamten Bevölkerung beherrschen diese Sprache. Eine der vier offiziell anerkannten Bantu-Sprachen ist Lingala, die Sprache unserer Partner. Die Informationen von Pastorin Philipps und Andreas Denda lassen hoffen, dass Kontrollen und neue Strukturen in unserer Partnerkirche den Missbrauch von Geldern verhindern. Pfarrer Bonanga, der jahrelang in der Adventgemeinde in Hörde eingesetzt war, gehört zur neuen Kirchenleitung. Nachhaltige Projekte sollen gefördert werden.

Die Kreissynode fasste daher den obengenannten Beschluss und berät in zwei Jahren auf der Basis der neuen Erfahrungen erneut. Wichtig aber ist auch, dass alle Gemeinden des Kirchenkreises gebeten werden, die Partnerschaft aktiv zu unterstützen. Jeder und jede ist herzlich willkommen zur Mitarbeit.

Eliki Bonanga zu Besuch in Dortmund

 

Eliki Bonanga, inzwischen  Kirchenpräsident der Jüngerkirche Kongo, war im Oktober zu Besuch in Dortmund.

Bonanga berichtete von dem grundlegenden Reformprozess der Jüngerkirche. Dazu gehöre insbesondere eine neue Strategie der Eigenverantwortung und langfristig gesehen finanzieller Unabhängigkeit vom Ausland. Anfänge seien gemacht: Zum ersten Mal fand im Juli diesen Jahres eine Kirchenleitungssitzung mit allen 22 Superintendenten ohne Finanzhilfe von außen statt.

Entschlossen hat nach Bonangas Aussagen die Kirche jetzt den Kampf gegen AIDS aufgenommen, das ist neu, denn bisher war das Thema  stets - trotz der massiven Verbreitung der Seuche - in der Jüngerkirche tabuisiert. Ein neues AIDS-Programm soll vor allem zur Aufklärung der Bevölkerung beitragen.

 

Mit Freuden erfuhren die Zuhörer von einer leicht positiven Entwicklung in der Äquator- region: Im Augenblick  herrsche Frieden , auch würden jetzt Gehälter bezahlt (z.B. Lehrer je nach Schultyp 5 bis 10 $ im Monat), aber die gesamte Infrastruktur – Straßen, Schiffsverkehr, Strom, Wasser, Gesundheitswesen – sei durch jahrzehnte lange Ausbeutung, Misswirtschaft und durch den Krieg in desolatem Zustand. Die meisten Menschen lebten von dem, was sie ernten  bzw. tauschen könnten.

 

Bonanga stellte das Projekt  „Kühe“ als Einkommen schaffendes Projekt für Gemeinden vor: 4 Kühe, die der Gemeinde Bolenge gehören und 6 weitere, die der KK Dortmund-Süd finanziert, sollen in Gemeinden im Urwaldgebiet gegeben werden. Mit der Aufzucht von Kühen gebe es bereits positive Erfahrungen  in der Region. Es mache die Gemeinden in einigen Jahren  finanziell unabhängig.

Superintendent Wortmann übergab Eliki Bonanga  die erbetenen   4250 $ für dieses überzeugende Projekt.

 

Jutta May 2004

 


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